Kurzbeschreibung
Faustspirale Expo 2000

Im Rahmen der EXPO 2000 in Hannover wurde unter der Regie von Peter Stein, viele Jahre künstlerischer Leiter der Schaubühne in Berlin, Goethes Faust 1 und Faust 2 in einer Welturaufführung ungekürzt als Gesamtwerk mit ca. 22 Stunden Spieldauer aufgeführt. Nach Hannover wurde der „Faust-Marathon“ zusätzlich noch in Berlin und Wien bis Ende 2001 gezeigt.

In der letzten Szene (Bergschluchten) sollte Faust von etwa 20 Engeln begleitet in den Himmel geführt werden. Ausgehend von Urskizzen Goethes, entstand die Vorstellung einer Bühnenwegspirale, die den Weg von der Erde in den Himmel beschreibt. Hierzu gleitet eine quasi ellipsenförmige Spirale – welche die gesamte Spielzeit im ebenen Zustand unter dem Bühnendach ruht – in der Schlussszene geräuschlos herab. Die Spirale gleicht auf ca. 100m Lauflänge eine Höhendifferenz von 6,2 Metern aus.

Für die Aufführung des Gesamtwerkes waren zwei Bühnen mit jeweils 24 Metern Länge, 16 Metern Breite und 7 Metern Höhe, bei einer minimalen lichten Hallenhöhe der Spielorte von 9 Metern, mit einem Stützenraster von 8 Metern vorgesehen, zwischen denen jeweils nach einer Szene gewechselt wird. Das Bühnendach musste für Schauspieler und Beleuchter begehbar sein, und im Fall der Spiralkonstruktion zusätzlich die Fördertechnik und Seillasten aufnehmen. Die gesamte Konstruktion musste in kurzer Zeit aufzubauen und für den Transport mit Lastkraftwägen elementiert sein.
Dieses hoch anspruchsvolle und für kaum realisierbar gehaltene Bühnenbild erforderte im Vorfeld eine intensive Planung und Entwicklung mit der das von Architekten betreute Fachgebiet Entwerfen und Baugestaltung, Prof. Dipl.-Ing. Johann Eisele und das mit Bauingenieuren besetzte Fachgebiet Entwerfen und Konstruktiver Ingenieurbau, Prof. Dr.-Ing. Dietger Weischede, am Fachbereich Architektur der Technischen Universität Darmstadt durch die Mannesmann Rexroth AG beauftragt wurden.

Wegen der unterschiedlichen Torsionsbelastung des Systems werden die beiden parallel verlaufenden, im eingefahrenen Zustand einachsig gekrümmten, Hauptrohre nach oben bzw. innen hin abnehmend torsionssteif ausgebildet.
Die Hauptrohre sind in den Sechzehntel-Umdrehungen durch Querstege miteinander verbunden und werden für den Transport jeweils in den Achtels-Umdrehungen elementiert, wobei die Rohrstöße biege- und torsionssteif sind. Die Hauptrohre sind im Inneren, am Austritt der Spirale, gelenkig in allen drei Raumrichtungen gelagert. Jeweils in den Achtels-Umdrehungen liegen die Anschlußpunkte der nahezu vertikal verlaufenden Verfahr- und Halteseile.

Bilder
Faustspirale Expo 2000 | Peter Stein / Prof. Johann Eisele, Darmstadt | Hannover | Mannesmann-Rexroth, Faust Ensemble Peter Stein | Sonderbau | Dr. Kreutz+Partner - Beratende Ingenieure
Faustspirale Expo 2000 | Peter Stein / Prof. Johann Eisele, Darmstadt | Hannover | Mannesmann-Rexroth, Faust Ensemble Peter Stein | Sonderbau | Dr. Kreutz+Partner - Beratende Ingenieure
Faustspirale Expo 2000 | Peter Stein / Prof. Johann Eisele, Darmstadt | Hannover | Mannesmann-Rexroth, Faust Ensemble Peter Stein | Sonderbau | Dr. Kreutz+Partner - Beratende Ingenieure
Faustspirale Expo 2000 | Peter Stein / Prof. Johann Eisele, Darmstadt | Hannover | Mannesmann-Rexroth, Faust Ensemble Peter Stein | Sonderbau | Dr. Kreutz+Partner - Beratende Ingenieure
Faustspirale Expo 2000 | Peter Stein / Prof. Johann Eisele, Darmstadt | Hannover | Mannesmann-Rexroth, Faust Ensemble Peter Stein | Sonderbau | Dr. Kreutz+Partner - Beratende Ingenieure
Fakten
Projekttyp: Sonderbau
Ort: Hannover
Bauherr: Mannesmann-Rexroth, Faust Ensemble Peter Stein
Entwurf: Peter Stein / Prof. Johann Eisele, Darmstadt
Bauzeit: 2000
Abmessung: Bespielbares Bühnenvolumen ca. 16m x 24m x 6,8m; Gesamtlänge der Spirale 100m
Auszeichnung: MSH-Stahlbaupreis 2002
Unser Leistungsumfang: *Ausschreibungsfähige Machbarkeitsstudie der Spiralen- und Bühnenkonstruktion

*) Dr.-Ing. A. Hentschel mit Dipl.-Ing. M. Hupfer im Rahmen seiner Tätigkeit am Fachgebiet Entwerfen und Tragwerksentwicklung am FB Architektur der TU Darmstadt, Prof. Dr.-Ing. D. Weischede
Karte
Faustspirale Expo 2000